Rathausbrunnen erhielt österlichen Pflanzenschmuck

In Östringen haben die „Helfenden Hände“ von Anneliese Tinkl einmal mehr den Stadtbrunnen auf dem Kirchbergplatz mit prächtigem Pflanzenschmuck und österlichen Zeichen ausstaffiert. Dank der kunstvoll geflochtenen und mit bunten Ostereiern gezierten Pflanzenornamente ist der Wasserspender, der an seinen Brüstungen die Wappenmotive der vier Stadtteile trägt, für die Gottesdienstbesucher und Passanten momentan ein ganz besonderer Blickfang. Für den Östringer Ausscheller, vor Monatsfrist Ziel einer Vandalismusattacke und mittlerweile wieder an seinen Standort zurückgekehrt, Grund genug, solch besonderen bürgerschaftlichen Einsatz der Bevölkerung bekannt zu machen.

Der Brauch, Osterbrunnen zu schmücken, stammt ursprünglich aus der Fränkischen Schweiz. Die Wasserarmut dieser Region verlieh der Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung der Bevölkerung mit dem besonderen Lebenselement schon seit jeher große Bedeutung. Vor Ostern wurden die öffentlichen Brunnen gründlich vom Schmutz des Herbsts und Winters gereinigt und anschließend für die Feiertage hergerichtet. Beim "Brunnenputzen" herrschte bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine klare Arbeitsteilung. Die Burschen übernahmen das Reinigen der Quellen und Brunnen, das so genannte "Brunnenfegen", das dem eigentlichen Brunnenschmücken stets vorhergehen musste. Währenddessen versammelten sich die Mädchen im heiratsfähigen Alter und verzierten frisch geschlagene junge Bäumchen mit bunten Eiern und Papierbändern. Das Aufstellen der Schmuckbäumchen am Brunnen war dann ein feierlicher Akt, der nur von den Burschen vollzogen werden durfte.


Dem „Osterwasser“ wurde seit Alterszeiten besondere Wirkungen zugesprochen und erste mündliche Überlieferungen von prachtvoll geschmückten Brunnenstellen gibt es in der Neuzeit seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Allerdings gibt es auch Anhaltspunkte, dass die Menschen schon in vorgeschichtlichen Epochen versuchten, sich die Quellgöttin durch das Ausschmücken der Brunnen gewogen zu machen.


Nach der Einführung moderner Wasserversorgungssysteme stand der Brauch der Osterbrunnen zunächst vor dem Aussterben. Seit den 1950er Jahren verbreitete sich die Sitte dann allerdings in weiten Teilen Süddeutschlands und sorgt nun im Frühling in vielen Gemeinden für einen außergewöhnlichen Blickfang im Ortsmittelpunkt.


(20.04.2011 / br)