Hauptverein / Vereinschronik

 

Heimat- und Kulturverein „KG Wicker-Wacker“ Östringen e.V. - So fing es an

Nach dem 2. Weltkrieg kam das normale Leben wieder schrittweise in Gang. Das Vereinsleben ruhte weitgehend. In den Nachkriegsjahren machten sich die Bürger Gedanken über das Schicksal und die Zukunft der Gemeinde. Die Vereine begannen mit der Neubelebung ihrer spezifischen Interessen in Sport, Musik, Gesang, usw. Seit 1948 fing auch die politische Gemeinde an, ihre Verwaltung im Rahmen ihrer Möglichkeiten demokratisch zu ordnen. Der gewählte und von der Militärregierung bestätigte Bürgermeister Ferdinand Bender verfolgte den Gedanken, dass auch die Bürger der Gemeinde über wichtige Belange durch Anregungen und Vorschläge mitbestimmen sollten.

 

Am 04.06.1949 fand eine Bürgerversammlung statt, in der viele Gesprächsthemen wie Ortsrufanlage, Jahrmarkt, Schwefelbad, Schwimmbad, Sportstätten, Wanderwege u.v.m. aufgegriffen wurden. Die Erkenntnis war allerdings auch, dass diese Probleme keine Einzelaktionen sein konnten, sondern dass ein ständiges Gremium oder ein Verein für diese Aktionen zuständig sein sollte. Spontan wurde die Bildung eines Verkehrsvereins vorgeschlagen.

 

Am Dienstag, dem 07.06.1949 berief man eine Gründungsversammlung ein, in welcher 35 Männer mit Wort und Unterschrift Mitglied wurden. Bis Jahresende kamen weitere 70 neue Mitglieder, darunter viele Geschäftsleute, dazu. Damit war der Grundstock gelegt für einen Verein, der sich laut selbst gegebener Satzung folgende Aufgaben und Ziele gesteckt hatte.

 

  1. Erfassung aller Möglichkeiten, die dem wirtschaftlichen Auftrieb der Gemeinde dienen können
  2. Anregungen zur Schaffung und Verbesserung von Wegen und Anlagen, die der Erholung dienen
  3. Planung und Förderung kultureller und volkstümlicher Bestrebungen
  4. Planung und Durchführung von Sonderveranstaltungen
  5. Verschönerung des Ortsbildes, Pflege und Erhaltung von Baudenkmälern

 

Vieles davon wird heutzutage von anderen Vereinen, Gremien, sowie der Stadtverwaltung ausgeführt.

Noch im Jahre 1949 wurde der Bau eines Freischwimmbades geplant, die Werbung für den Jahrmarkt übernommen, Weihnachtsbeleuchtung angeschafft, der Name „Kraichgauer Weinstrasse“ durch Östringen angeregt, die Gründung einer AG für die Schwefelwasserquellennutzung unterstützt sowie die Initiative für die Autobahnzufahrt Kronau mit dem Hinweisschild Östringen ergriffen.

 

Einige Beispiele von Aktivitäten in den Jahrzehnten danach:


50er Jahre
- Gründung eines Narrenausschusses für Fastnachtsveranstaltungen

- Erste Prunksitzungen mit Prinz und Prinzessin im Löwensaal

- Werbung für Vereinsveranstaltungen

- Kauf einer Lautsprecheranlage für Veranstaltungen der örtlichen Vereine

- Ausrichtung von drei Schwimmbadfesten mit bis zu 4000 Besuchern

- Dachkandlbasar für die Renovierung des Kirchendaches

- Aktion „Das Geld des Dorfes dem Dorfe„

 

60er Jahre
- Prunksitzung erstmals im Bernhardushaus

- Anschaffung und Bepflanzung von 50 Blumenschalen

- Errichtung von Grünanlagen Wiesenstr./Rettigheimer Str., Verkehrsinsel Ringstraße

- Preisrichtergremium „Unser Dorf soll schöner werden„

- Anträge zum Bau und Gestaltung von Kinderspielplätzen

 

All die Aktivitäten der 50er und 60er Jahre wurden vom Idealismus getragen und waren von dem Bemühen erfüllt, Östringen und seinen Einwohnern „Gutes“ zu tun und gleichzeitig das Ortsbild optisch aufzubessern.

 

70er Jahre

In den 70er Jahren wurde es um einige der oben genannten Dinge ruhiger, da diese mehr und mehr von der kommunalen Verwaltung und anderen Vereinen wie dem Obst- und Gartenbauverein übernommen wurden. Der Verkehrsverein kümmerte sich um den Druck des ersten Ortsprospektes, organisierte Kunstaustellungen „Maler unserer Heimat“ und „Jugend sieht Östringen“, es fanden Gemäldeausstellungen mit Malern aus Östringen, sowie den Partnerstädten Abergavenny und Rozenburg statt. 1977 organisierte man den ersten Partnerschaftsbesuch von Östringer Bürgern auf kultureller Ebene in Abergavenny. 1979 wurde die KG Wicker-Wacker als Abteilung des Verkehrsvereins gegründet.

 

80er Jahre

In den 80iger Jahren wurden die Bemühungen in der Partnerschaft mit Abergavenny vertieft und gepflegt. Besonders die Gwent Singers mit ihrem Dirigenten Derek Watkins weilten gerne in Östringen und zunehmend knüpften sich Kontakte zum Musikverein und Kirchenchor, die in den 90iger Jahren Gäste in Abergavenny, bzw. Gastgeber in Östringen waren. Ebenfalls in den 80iger Jahren wurden einige Kunstaustellungen mit Hobbykünstlern organisiert. Das fastnachtliche Brauchtum rückte aber mehr und mehr in den Vordergrund. Im Jahre 1983 führte man die Prunksitzung in der neu errichteten Stadthalle durch. Und im Jahre 1986 wechselte die Prunksitzung in die Hermann-Kimling-Halle. Im Januar 1986 wurde das Wappentier der Östringen „Die Ente“ in 3-facher Ausfertigung auf dem Kirchberg aufgestellt. Der Verein übernahm einen grossen Teil der Kosten. Die Zielsetzungen und Aufgaben aus der Gründerzeit hatten sich stark gewandelt. Der Name des Vereins war nicht mehr zeitgerecht und man wollte die Gemeinnützigkeit erlangen. So änderte man 1987 den Namen des Vereins in „Heimat- und Kulturverein Östringen e.V.“

 

90er Jahre

Bis in die Mitte der 90er Jahre wurden Hobbytheken und diverse Ausstellungen organisiert, sowie die Partnerschaft mit Abergavenny unterstützt. 1992 bezogen wir unser jetziges Vereinslokal im Keller der Hermann-Kimling-Halle. Mitte der 90er Jahre trug der Elferrat mit eigener Shownummer zum Prunksitzungsprogramm bei. Es gab legendäre Hitparaden, aber auch Kommunalpolitisches, und wer erinnert sich nicht gerne an Starlight-Express. Die Bühnenbilder wurden immer aufwendiger. Ebenfalls Mitte der 90er Jahre starteten wir unsere alljährliche Aussenaktion zur Kampagneeröffnung am 11.11. – Hauptbahnhof auf dem Leibergparkplatz, Toilette im „Scheisswegl“, Untertunnelung der Hauptstr., Elferrat pilgert den Jakobsweg um nur einiges zu nennen.

Im Februar 1998 fand nach 42 Jahren wieder der erste Fastnachtsumzug in Östringen statt. Nachdem einige begeisterte Damen nach dem Umzug in Kronau – eine Woche vor dem Faschingswochenende - den damaligen Sitzungpräsidenten Heinz Hassis jr. bekniet hatten, er und seine Wicker-Wacker mögen doch versuchen einen „Kleinen Umzug„ am Faschingssamstag in Gang zu bringen geschah in Östringen innerhalb einer Woche Unglaubliches. Bei herrlichen 15 Grad und Sonnenschein fanden sich am Faschingssamstag im Steinacker tatsächlich ca. 30 Gruppen zum Umzug ein. Mittlerweile hat sich der Gaudiwurm mit ca. 70 Zugnummern als Publikumsmagneten in der Rhein/Neckar-Region etabliert.

 

2000 bis Heute

Im Oktober 2001 wurde die Gardeabteilung gegründet. Mittlerweile gibt es je nach Alter die Küken, Präsidentgarde, Elferratsgarde, Funkengarde und seit Oktober 2008 die Show-Pearls. Stolz sind wir darauf, dass sechs Trainerinnen/Co-Trainerinnen aus der eigenen Jugend kommen, und noch bei der Funkengarde tanzen.

Von 2005 bis 2009 organisierte der Verein die Maibaumstellung auf dem Kirchberg mit anschließender Hocketse. In den letzten 10 Jahren wurden Licht- und Schalltechnik bei der Prunksitzung immer perfektionierte, und auch das Programm wurde ausgefeilter und änderte sich mehr und mehr zur Show. Immer mal wieder hatten wir auch Topprogrammnummern bekannt aus Funk- und Fernsehen. Waren es in den 90er Jahren Norbert Roth, Wolfgang Meister oder die Spraddl-Sänger, so waren es in den letzten Jahren das Weltmeisterpaar im Garde-Freestyle Ernst Voigt/Jennifer Tompkins, der Musikprofessor Werner Beidinger oder die Schlagersängerin Lou. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass der Verein schon Vieles erlebt und bewegt hat, und zum kulturellen Leben in Östringen beiträgt. Seit über 30 Jahren begeistern die Wicker-Wacker mit Ihrem Programm auch die Senioren beim Altennachmittag, der traditionell am Montag nach der Prunksitzung stattfindet. Feste Termine im alljährlichen Veranstaltungskalender sind Prunksitzung, Altennachmittag, Rathaussturm, Faschingsumzug, Kampagnestartschuss am 11.11. mit Aussenaktion und natürlich die jährliche Kampagneeröffnung am Samstag danach.

 

K.T.